Zur Lage der Frustration oder Austschickt im Fünfn Hieb 

Freitag, 29.11.2019

 

Gestern am frühen Abend in drei Beisln und zwei Wirtshäusern im 5. Bezirk gewesen. Einfach so, Lokalaugenschein. Keine In-Lokale, nichts Cooles, nichts Hippes, nur ganz normale Beisln und Wirtshäuser für die Leute der Umgebung. Mitten in Margareten, nicht die Peripherie, nicht jenseits der Reinprechtsdorferstraße dem Margaretengürtel zu – eine Gegend, die wir Margaretner „Die Westbank“ nennen und auf die sogar die Bobos dankend verzichten. Mitten in Margareten überall dasselbe Bild. Die Lokale weitgehend leer oder zumindest nur spärlich besucht – drinnen im Schank-raum. Draußen vor der Türe vereinzelt Frierende. In einer Hand die Zigarette, die andere Hand in der Hosentasche, Kopf eingezogen, leicht hüpfend. Kaum betritt einer der draußen Rauchenden wieder das Lokal, stehen die nächsten auf und gehen hinaus – Schichtwechsel. „Gemma ane rauchn!“ Einer, der nicht raucht oder dem zu kalt zum Rausgehen ist, meckert: „Na geh, ned scho wieda! Wia wüüst di do untahoitn, waunn ēs dauand außerennts?“ Nach der dritten Wiederholung des Vorganges zahlt er und geht. Statt eines Grußes murmelt er irgendetwas wie „Deppate Oaschlächa“. Ich beobachte zwei vermeintlich neue Gäste durch die Auslagenscheibe. Sie bleiben draußen stehen und rauchen noch schnell eine, bevor sie hereinkommen. „Servas. Gib uns schnöö zwaa Ochtln, mia san glei wieda weg.“ Kellnerin: „Wos is mit eich, hobts as äulich?“ Gast: Naa, oba draußn steh, känn ma aum Punschstandl aa!“
19:00 Uhr: Hochbetrieb … normal. Hier nicht. Hier nicht mehr. Die Kellnerin erzählt, dass Stamm-gäste ausbleiben oder nur mehr kurz hereinschauen. Eigentlich könnte sie um 21:00 Uhr zusperren, sagt sie, kommt eh niemand mehr. Und dann fragt sie mich, ob ich mit ihr mit hinausgehe eine rauchen, damit ich hier nicht alleine stehen bleiben muss. „Moch ma“, sage ich und gehe mit ihr hinaus, rauche mir eine Zigarette an und gebe ihr Feuer.

 

„Gemma ane rauchn!“ – ein Satz, den ich seit dem 1. November immer wieder und wieder und öfter und öfter höre. Ein Satz, der bezeichnend für einen Teil unserer Gesellschaft geworden ist. Einem Teil der Gesellschaft, der bewusst ausgegrenzt wird, der Verachtung der Andersdenkenden und dem Denunziantentum ausgesetzt – moderne Hexenjagd, von ganz oben befohlen.